Tag 8: Budapest bis km 1556

Stromkilometer: 1654 – 1556 (98), 7 Stunden + 2,5 Stunden

Wie an der Überschrift schon zu erkennen ist, war der Tag ein bisschen kompliziert.
Begonnen hat es ja gut, nämlich mit höherem Wasserstand und einer staubtrockenen Bilge.

Also fuhren wir gegen 11:00 Uhr los. Seit gestern versuchte ich immer wieder, jemanden im Hafen von Kistopostag zu erreichen. Woran auch immer es liegt, aber mehrheitlich wird einfach nicht abgehoben. So auch hier. Da der Hafen von Kistopostag als sehr sicher auch bei Niedrigwasser beschreiben wird, waren wir frohen Mutes.

Alles hat super funktioniert und kurz nach 17:30 Uhr trafen wir dort ein. Ein letztes Mal versuchte ich, den Hafenmeister zu erreichen. Siehe da – er hob tatsächlich ab!
Und dann war es erst einmal aus mit den guten Nachrichten. Ich hatte ihn im Urlaub aufgegabelt und nach meiner Erklärung, dass wir mindestens 1,7 Meter Tiefe benötigen, hat er ihn vermutlich verlängert. Aber er versprach mir, herum zu telefonieren und mich zurück zu rufen. Machte er dann auch, allerdings wollte ich an sich nicht hören, was er mir zu sagen hatte: „Zu wenig Wasser, beim nächsten Anleger Botel Stefanie ebenfalls.“
Er empfahl uns, zu ankern. Und wir sollen auf die Schifffahrtslinie achten. A geh.
Nicht gut.

Wenns nicht so blöd wäre, wäre es ja eigentlich schön.
Auf der Suche nach einem Ankergrund, bei wir endlich auch die Ankerwinch testen können (oida!!), bleiben wir nur ein Mal kurz stecken, aber die Strömung schiebt uns wieder raus. Thanks for small mercies …

Das aktuelle Problem: Jedes Mal, wenn wir die Linie seitlich verlassen, wird es schnell extrem seicht.

Nach mühevoller Suche werden wir endlich fündig. 3 Meter. 3 Meter! Anker runter, gespanntes Warten und wir stehen. Endlich. Und sehen am Ufer ein Schild. Das mit dem durchgestrichenen Anker. Wir stehen aber nur so ungfähr 1/3 des Bootes mit dem Heck in den 200 Meter langen Bereich. Ok, Herbert meint, es ist die Hälfte.
Dieses Mal hat Herbert von mir neue Wörter gelernt.

Kommando retour, alles nochmal von vorn, ein paar Hundert Meter stromaufwärts.
Dieses Mal verhakt sich jedoch die Kette und die Ankerwinch gibt erstmal den Geist auf.
Eine Option, die wir nicht haben. Schließlich gelingt es Herbert, das Ding irgendwie runter zu lassen und wir stehen. Im Strom. Um 21:00 Uhr so ungefähr. Ich kann nur noch Tiefenmesser lesen.

Weil wir noch von Nagymaros wissen, wie wilde Wellen die Kreuzfahrtschiffe machen, beginnt das Warten. I woart auf a Kreuzschiff und es kummt ned, kummt ned …
Tatsächlich ist es in der Zwischenzeit 0:50 Uhr und es kam überhaupt niemand vorbei.

Es ist stockfinster und außer einem gelegentlichen Platschen, von dem ich nicht wissen will, was es ist, passiert hier gar nichts.
Herbert schläft. Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich versuche, wach zu bleiben, damit er morgen fahren kann. Die geplante Strecke war mit 120 km sehr lang. Ok, jetzt sinds nur noch 110 km.
Meine Anweisung ist, auf Geräusche zu achten, was Sinn macht, denn sehen tut man nichts.
Falls uns jemand sucht: Wir stehen auf km 1556. Hoffentlich.

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