Tag 21: Belgrad bis Ram

Stromkilometer: 1170 – 1078, 9 Stunden

Ein letzter Blick zurück auf Belgrad, das wir nicht gesehen haben und auf geht’s Richtung Ram. Am langen Fähranleger soll es Wasser und Strom geben. Außerdem brauchen wir Milch für den Kaffee, Zigaretten und Kekse für die Seele.

Doch zunächst gibt es auf der langen Etappe erstmal wieder „Gegend“:

Über den Horizont

Reisen erweitert ja angeblich den Horizont. Meinen nicht. Vielleicht dann irgendwann im Nachgang, aber derzeit ist mein Horizont:

Die Kilometrierung – maximal 1 km
Bis zum nächsten Schild. Oft verwachsen, manchmal erst beim direkten Vorbeifahren sichtbar.

Die nächste Tonne – maximal 3 km
Die Betonnung in Serbien ist sagen wir mal lückenhaft. Für Landzeichen gilt mehr oder weniger dasselbe wie bei der Kilometrierung.
Geschätzt fehlen in etwa die Hälfte der Tonnen. Was an sich nicht so problematisch wäre, wenn wir nicht direkt innerhalb der Fahrrinne bleiben müssten, weil es am Rand und außerhalb sehr seicht wird. Herbert fährt daher immer mit Blick auf den Tiefenmesser.

Die nächste unmittelbare Aufgabe
Einen Ort zum Übernachten finden, Anlegen oder nicht, Einkaufen, Strom, Wasser und auch eine Internetverbindung. Der Fokus liegt auf der jeweils nächsten Aufgabe und sie zu meistern oder auszutricksen. Internet ist wichtig, da ich arbeiten muss und auch weil wir uns immer wieder an Navship orientieren, wofür eine Internetverbindung erforderlich ist.

So ist bis auf Weiteres mein Horizont eher sehr kurz. Aber das wird ja vielleicht noch.

Nächster Halt: Ram

Um 18:30 Uhr kommen wir schließlich in Ram an. Und suchen den langen Fähranleger. Den gibts nicht (mehr). Eine kurze Google Bildersuche ergibt, dass es da wohl mal einen langen Anleger gab. Jetzt ist da nur noch eine Mauer. Die Fähre fährt direkt an Land und entlädt Autos und Menschen direkt.
Keine Chance da anzulegen, also ankern. Und das Lokal scheint auch geschlossen zu haben. Was eh egal ist, denn die Sabu One mit der neuen, alten Ankerrolle alleine zu lassen, kommt ohnehin nicht infrage.
Also kein Anleger, kein Strom, kein Wasser.
Das erklärt auch das Problem mit dem Duschen. Ja, wir haben Duschen an Bord. Aber da wir nie wissen, wann wir aufgrund des Wasserstands wieder irgendwo „zuwi“-kommen, um Strom oder Wasser zu tanken, müssen wir haushalten.
Die Batterien sind unter 50% (letztes Mal Strom in Novi Sad), zwei einsame Schachteln Zigaretten liegen in der Lade.
Daher atmen wir nur noch durch den Mund. Naa, so schlimm ist es nicht (Fahrtwind!), fühlt sich aber so an.

I hea di Klopfn

Schon in Belgrad ist uns ein gluckerndes Geräusch aufgefallen. In regelmäßigen Abständen macht es „gluck, gluck“. Wenn „mir steht das Wasser bis zum Hals“ ein Geräusch hätte, dann wäre es dieses. Wir checken mal wieder die Bilge, aber da gluckst nichts. Das ist gut.
Die Lösung ist: Fischer klopfen mit einer Art Saugglocke („Pömpel“) auf das Wasser und locken so Welse an. Das Wasser trägt das Geräusch extrem weit. Das Glucksen, das sich anhört, als wäre es in der Achterkabine, stammt von dem Fischerboot im Bild, das wir nur in der Ferne sehen.

Ein goldener Sonnenuntergang belohnt uns für die Mühen. (Ich sag jetzt nix von „Neusiedlersee“, um die Stimmung nicht zu trüben.)

Duschen sind nicht einmal theoretisch für die nächsten Tage in Sicht.
Wasser, Strom? Vielleicht morgen.

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