Stromkilometer: 1852 – 1767 (85), 8 Stunden
Abfahrt Modra Cajka 11:00 Uhr
Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück verlassen uns Balázs und Charly mit dem Taxi Richtung Bratislava. Der durch nichts zu erschütternde Leo begleitet uns weiterhin.
Es geht in Richtung Schleuse Gabčíkovo, die mich seit einiger Zeit in meinen Träumen begleitet. Den nicht so schönen Träumen. Aber unterwegs ist unterwegs und irgendwie sind ja alle noch hinten rausgeschwommen. Mit Boot.
Auf zur Schleuse Gabčíkovo
Weisungsgemäß kündige ich unsere Ankunft bei der Schleuse an.
Es stellt sich heraus, dass die Akustik unter laufendem Motor, Windgeräusch, unterschiedlichen Sprachen und Herzklopfen leidet. Dafür hat der Mann eine Stimme wie ein Donnergrollen und erlaubt die Einfahrt in den Kanal.
Keine Strömung, fad und langsam
Im Kanal gibt es wirklich nichts zu sehen. Er verläuft oberhalb der Ortschaften und alles, was wir erblicken sind Kirchturmspitzen und Werbeschilder.
Der Schubverband „Speed 2“ überholt uns und macht dabei seinem Namen alle Ehre.
Bereits mehrere Kilometer vor der Schleuse gibt es nahezu keine Strömung mehr und wir tuckern nur noch mit 6-7 km/h dem Ziel entgegen.
Als die Schleuse in der Ferne in Sicht kommt, schlagen die Nerven Alarm, weil wir nicht genau erkennen können, wo wir hin müssen.
Learning 1: Wenn man die Info braucht, sieht man sie. Aber halt vorher nicht.
Learning 2: Wir brauchen 45 Minuten länger als gedacht.
Was mir einen Anruf vom Donnergrollen einbringt. „Go faster“. Fast will ich salutieren. Schnell ist ja mit dem Motorsegler und ohne Strömung nur bedingt möglich. Aber die Kleine schnauft sich tapfer Richtung Schleuse.
Wo Speed 2 auf uns warten musste.
Nicht mehr fad: Motor startet nicht
Dieser Motor ist immer angesprungen. Bei der ersten Besichtigung, als er ausgebaut war, nachdem er überholt war, nachdem er wieder eingebaut war, als wir in der Kuchelau im Wasser waren und bei der Probefahrt. Nur in der Schleuse nicht. Schweißausbruch. Sogar Leo runzelt die Stirn und das ist wirklich ein Alarmsignal.
Es ist die Starterbatterie, oder eben halt auch nicht, denn die ist leer. Wenn ich alles geglaubt hätte, aber das nicht.
Teamleistung: Leo weiß, wo die Starterkabel sind (in der Bar, eh klar), Herbert macht den Batteriekasten auf und ich gebe ihm nacheinander, alles, was er gerade so braucht.
Eh alles wie immer, nur schneller.
Tatsächlich gelingt uns das Manöver ohne Verzögerung und niemand bemerkt, dass wir Problemchen bei der Ausfahrt hatten. *uff*
Yachtclub Komárno
Weiter gehts über die Donau, die die Grenze zwischen Ungarn und der Slowakei bildet. Trotz vielfachen Anrufen hebt am Liegeplatz Marina Alt, wo wir eigentlich hin wollten, niemand ab. Aufgrund des niedrigen Wasserstands ist für uns nicht nur die Frage, ob wir einen Platz bekommen, sondern auch, ob wir überhaupt zufahren können.
Das ist schon alles sehr seicht. Letztlich erreiche ich jemand beim Yachtclub Komárno. Die Zufahrt ist 2 km lang und wir tasten uns langsam vor. Im Buch steht bei solchen Gelegenheiten „gut loten“. Bei diesem Wasserstand wird allerdings jeder Gupf unter Wasser zu einem Hindernis. Immerhin ist unser Unterwasserschiff von den letzten Algen aus der Kuchelau befreit. Ob noch Antifouling drauf ist werden wir sehen. Irgendwann.
Der Yachtclub Komárno ist klein, einfach und hat alte, aber saubere Sanitäranlagen. Alles ist etwas in die Jahre gekommen, aber hier sind wir erst einmal gut aufgehoben.
Wir beschließen, eine weitere Nacht hier zu verbringen, damit wir uns etwas konsolidieren können. Man könnte ja zum Beispiel mal die Reisetaschen auspacken und so.
Der Öldruckschalter benötigt liebevolle Zuwendung, es tropft in den Motor (nicht viel, aber doch) und außerdem muss ja noch ein Rätsel gelöst werden:

Intensives Studium der Betriebsanleitung, wo denn der Strom hin verschwunden ist.
Lösung: Ein Kabel aus dem Testlauf war noch angeschlossen.
So hat die Batterie des Bugstrahlruders die Starterbatterie genüsslich entladen.
Erstmal durchatmen.
Außerdem unterwegs:
Das erste Mal „boat office“.
Ein cooles Gefühl, wenn man vom Bildschirm aufsieht und die Landschaft an einem vorbeizieht.

Die Stadt Komárno
Nach der ganzen Action haben wir ein Eis verdient. Wobei mein Verdacht ist, dass es mehr ums Motoröl geht, aber bei „Eis“ setzte ich mich lieber in Bewegung.
Mit dem Taxi fahren wir für schlanke € 3.– ins Zentrum. Wir folgen unseren touristischen Verpflichtungen, was in dem malerischen Städtchen leicht fällt.
Nach dem Stadtbummel (Eis!) beschließen wir, dass wir zu Fuß zurück gehen. In der Nähe des Yachtclubs gibt es einen Baumarkt und einen großen Supermarkt. Wir brauchen Motoröl. Und Eistee. „Jemand“ meint, das sei nicht weit und geht leicht zu Fuß.
Was folgt ist ein Gewaltmarsch durch ödes Industriegebiet, bei sengender Hitze, ohne Schatten, ohne Eis. Tragisch. „Nur noch da durch“, „nach dieser Kurve“, „muss gleich da sein“ bilden die Geräuschkulisse. Irgendwann kommen wir dann endlich an und fliehen in den klimatisierten Tesco. Der Vorschlag, „den Rest“ zu Fuß zurück zu legen, („ist eh nicht weit“), wurde mit 2/3 Mehrheit abgelehnt und wir fahren mit dem Taxi. Für € 3.– .
Wir sind spät zurück und das Lokal am Anleger wirkt nicht sehr vertrauenerweckend. Aber es gibt kaltes Bier, sowie, als einziges nicht-alkoholisches Getränk Soda Zitron.
Daher wird das erste Mal an Bord „gekocht“. Gulaschsuppe, was sonst.