Tag 26: Kladovo bis Porte de Fier 2 / Djerdap 2

Stromkilometer: 934 – 864

Tag 25 Kladovo Abend

Am Vortag haben wir es gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit bis zum Ponton der Grenzpolizei in Vidin (km 790) geschafft.
Hier erwartet uns tatsächlich ein sehr netter Mann und sagt „Willkommen“. Ein Gefühl, das man auf der Donau nur selten hat. Außer möglicherweise, wenn man ein Kreuzfahrtschiff ist.
Den Namen des Manns habe ich mir leider nicht gemerkt, aber wir kommen sofort ins Gespräch. Also Herbert, natürlich. 😉 Es stellt sich heraus, dass der Mann in Wien gelebt hat und er erzählt uns, dass er bereits drei Mal in Österreich Zuflucht gesucht hat und er Wien liebt.
Er war – wie kann es anders sein – unter anderem Kellner. Und natürlich entdecken die beiden gemeinsame Bekannte.
Der Mann ruft die Grenzpolizei an und die ist für den folgenden Tag am Vormittag angekündigt. Alles gut, ich gehe noch kurz einkaufen und dann fallen wir erstmal um.

Gerade noch von Einbruch der Dunkelheit gelandet.

Tag 26: Ausklarieren aus Serbien

Der Polizist kommt pünktlich in der Früh, das Ausklarieren erfolgt ohne Probleme. Hauptsache: „Stempel“ Ich bin sehr froh, dass ich den noch am Tag vor der Abfahrt anfertigen ließ. So lange wie man die berühmte Original-Crewliste und einen Stempel hat, sind bis jetzt alle happy.

Zollanleger Kladovo

Zum Abschied schenkt uns „der Mann“ noch Obst aus seinem eigenen Garten und dann gehts weiter.
Weil ich das Anlegen ja so sehr liebe, gehts gleich schräg gegenüber nach Turnu Severin. zum Einklarieren nach Rumänien. Wieder in der EU – wieder Roaming!
Die Internetverbindung in Serbien war grottenschlecht, skyroam hat pünktlich den Dienst eingestellt (und in Rumänien wieder aufgenommen) und wir haben uns mit Nachladen auf der in Apatin gekauften SIM durchgewurschtelt.

Auch hier treffen wir wieder auf ausgesprochen nette und zuvorkommende Zollbeamten, dieses Mal in Form einer sehr netten ZollbeamtIN. Wir geben die Crewliste und unsere Personalausweise ab und dürfen das Boot verlassen.
Im Duty Free Shop kaufen wir Verschiedenes ein. Es dauert nicht lang und schon steht die nette Frau mit den Papieren wieder vor uns. Nicht mal den Stempel haben wir gebraucht!

Ankern Porte de Fier 2 / Djerdap 2

Was folgt ist die letzte Schleuse der Donau, die kleine Schwester von Djerdap 1. Wir treffen am späten Nachmittag dort ein. Auch hier ist die Rumänische Seite im Dienst. Wir wollen noch vor der Schleuse ankern und am nächsten Tag weiterfahren.
Das erweist sich als nicht so einfach. Glücklicherweise erreiche ich dann telefonisch einen netten Mann, der unglücklicherweise kein Englisch spricht.
Was folgt ist ein Austausch über SMS, die er offenbar mit Google-Translate erstellt. Das kann misstverständlich sein und ist es dann auch. 😉 Nachdem er zugestimmt hat, uns zu retten, falls das Wasser nicht tief genug ist, erfolgt ein bisschen Flirten, der Austausch von Facebook-Daten und er lotst uns per SMS zu einem ausreichend tiefen Ankerplatz.
Er bietet dann noch an, uns zu schleusen, aber wir sind froh, dass wir gut liegen. Der Platz ist total ruhig und wir genießen die Sonne des späten Nachmittags. In der immerwährnden Hitze verwenden wir die „Pützdusche“. Kübel mit einer Schnur ins Wasser, einer sitzt am Heck, der andere leert Wasser drüber. Sehr angenehm.
Wenn mir jemand von ein paar Wochen gesagt hätte, dass ich vor einer Schleuse vor Anker liege, „chille“ und mit der Welt rundrum zufrieden bin, hätte ich ihn bestenfalls ausgelacht.

Ein Beitrag, zwei Sonnenuntergänge. Geht doch.


Tag 25: Donji Milanovac bis Kladovo

Stromkilometer: 988 – 934

Eisernes Tor Teil 2 und Schleuse Djerdap 1

Heute versprach ein langer und interessanter Tag zu werden.
Der Plan: Weiter durchs Eiserne Tor, die Schleuse Djerdap 1 (das größte Schleusensystem an der Donau) und dann noch ausklarieren aus Serbien. Na bumm. Also der Reihe nach:

Der Tag begann diesig und es hatte deutlich abgekühlt. Nach der Hitze der letzten Wochen war das erholsam. Aber nur kurz. Dann war es kalt.
Es bleibt trüb und und ein bisschen regnerisch. Die Stimmung ist geheimnisvoll.

Eisernes Tor Teil 2

Insgesamt ist auf der Donau wesentlich weniger Verkehr, als wir erwartet haben. Im Eisernen Tor begegnet uns weder ein Kreuzfahrtschiff, noch ein Schubschiff.
Muss ja auch nicht sein.
Dafür gibt es viele Ausflugsboote, Sportboote und Angler.
Unberührt ist es hier nicht. Überall, wo sich die Donau weitet gibt es Stationen der Ausflugsboote und Terrassencafes, zu denen die Leute auch mit Reisebussen chauffiert werden.
Fotografiert habe ich dann eher die anderen Seite ;-):

Das Eiserne Tor ist einfach zu fahren. Die Sabu lässt sich durch die Wellen nicht beeindrucken. Ab und zu hüpft sie mit dem Gesichtsausdruck „Das ist alles?“ durch die Schluchten.
Da links und rechts unübersehbar begrenzt ist, entfällt das ständige Suchen nach der nächsten Boje.



Manchmal fragt man sich, wie die die Kilometrierung da aufgestellt haben, wo sie steht.
Wer sie findet ohne zu zoomen, hatte schon mal das Vergnügen auf der Donau.. 😉

Naja und dann hatten wir das auch. Der Wechsel zwischen weit und eng und der Gedanke, dass alles, was da steht um 40 Meter in die Höhe gehoben wurde ist schon beeindruckend.

Schleuse Djerdap I

Jetzt nehmen wir die Schleuse Djerdap I in Angriff. Es ist das größte Schleusensystem der Donau. Riesig. Im wöchentlichen Wechsel betreibt ein Mal die rumänische und ein Mal die serbische Seite die Schleuse.
Bei uns sind die Rumänen an der Reihe. Ich telefoniere wieder mal und am anderen Ende grollt es wieder. Anhand der Lautbrocken, die ich höre, verstehe ich, dass wir zufahren sollen. Sicher bin ich nicht, aber es gibt ja nur einen Weg und der geht nach vorn.

Es macht Rumms

Vor der Schleuse ist eine Art Ponton, also ein riesiges Metallgestell und plötzlich sehen wir jemand winken.
Wir fahren also dort hin, ich vorne, Herbert an der Achterleine. Der Mann winkt freundlich, nimmt die Leine und macht NICHT fest. Vorne hängen wir aber schon, weil ausnahmsweise hab ich es richtig gemacht.
Wenig überraschend kann der Rumäne an Land das Schiff nicht halten und die Sabu rummst mit dem Bugspriet mehrfach gegen das massive Gestell. Und mit der vorderen Leiter. Und mit dem Holzgestell, auf dem unsere Masten sind.
Wir stehen quer im Becken und ich bin ganz sicher, dass es dieses Mal die Sabu ist, die neue Wörter erfindet. Leider können wir ihr Knirschen nicht verstehen. Oder glücklicherweise.
Irgendwann gelingt uns dreien dann mit Händen, Füßen, Wacheln und Knirschen festzumachen, währen der Rumäne freundlich lächelnd oben steht.
Pfffffffff. Er brüllt dann noch „hora“, „big“ und schwingt den Arm in Richtung Einfahrt.
Wir verstehen es so, dass wir auf ein großes Schiff warten, hinter dem wir dann einfahren sollen.

Wir haben ausreichend Zeit, um alles zu veratmen, da wir fast 3 Stunden vor der Schleuse stehen und warten. Immerhin sind wir gut festgemacht.

Es ist kein größerer, sichtbarer Schaden entstanden.
Aber der Blutdruck! Jetzt sind wir innerlich gekärchert.

Ich habe die Wartezeit zum arbeiten genutzt und endlich taucht das Kreuzfahrtschiff auf. Brav reihen wir uns dahinter ein. Genau dahinter, am ersten Schwimmpoller.
Gefühlt 10 cm vor der roten Linie, die das Ende markiert. Weil der einfach nicht weiter nach vorne gefahren ist. Tja.
Das Festmachen geht dann wieder ohne Probleme und oben tauchen ein paar Männer auf. Einer spricht sogar Englisch und er entschuldigt sich für die lange Wartezeit. Wir plaudern noch ein bisschen und er versichert uns, dass mit dem Poller alles ok ist.
Denn die letzten werden ja bekanntlich die ersten sein.

Das Schleusen dauert insgesamt 1,5 Stunden. Zunächst geht es in der ersten Kammer 15 Meter hinunter, dann nach vorne in die zweite Kammer und nochmal der gleiche Hub.
Das alles klappt ohne Probleme, daher gibts für Schleusenfans viele Fotos, aber keine mit Hopperla:

Immer wieder schön: Schleuse von hinten:


Durch das lange Warten und die Schleusenzeit ist es nach 19:00 Uhr als wir endlich wieder freie Sicht haben. Jetzt müssen wir möglichst rasch einen Platz für die Nacht finden, denn Sonnenuntergang ist um 19:56 Uhr.

Doch dies ist eine andere Geschichte 😉

Tag 24: Veliko Gradiste bis Donji Milanovac

Stromkilometer: 1062 – 988

So, da die Moral der Truppe nach mehrfachem Duschen, Wäsche waschen, Lokalbesuchen und einer Portion Ruhe gestärkt ist, geht es auf zur nächsten Etappe.

Heute beginnt der über 100 Kilometer lange Weg durchs Eiserne Tor. So ganz wohl war mir nicht. Oben Schlucht, unten bis zu 70 Meter tiefes Wasser und dazwischen ich.
Immerhin waren keine Probleme mit zu geringem Wasserstand zu erwarten.

Im Schatten lauert die Festung Golubac und bewacht den Eingang zum Eisernen Tor.

Was jetzt beginnt, ist schon sehr spannend. Die Donau wird sehr eng (100 Meter), links und rechts ragen Felsen auf. Es ist deutlich kühler als zuvor.
Während der nächsten Kilometer wechseln sich Engstellen mit Wasserflächen ab, die auch ein Bergsee sein könnten.
Es ist spektakulär, das kann man nicht anders sagen. Auch wenn mein zum Zynismus neigendes Ich leise hinterfragt, ob es nicht einfach die Erleichterung ist, etwas anderes zu sehen.

Eisernes Tor Teil 1

Bilder sprechen mehr, als viele Worte. Auch wenn Fotos nicht das wiedergeben können, was man mit den eigenen Augen sieht.

Lassen wir die Bilder sprechen:

Und schon ist es passiert:
999 km noch und wir haben das Schild verpasst!

Für alle, die ein Stückchen mitfahren wollen. Unsere Reise“geschwindigkeit“ ist ca. 12 km/h.

Wir ankern in einem ruhigen Seitenarm.
Heute keine Hoppalas für die lieben Lesenden, aber gut für uns 😉