Nachts auf der Donau

Uff, jetzt habe ich euch mitten in der Nacht sitzen lassen.
An dieser Stelle möchten wir uns bei euch für die vielen, liebevollen Meldungen auf der Website und außerhalb bedanken. Wir freuen uns über jeden einzelnen Kommentar und haben so viel Liebe gar nicht erwartet.

Also, so ging es dann weiter:
Es kühlt ab. Die von Karin selbst gestrickten Socken halten die Füße warm. Weil kalte Füße geht grad gar nicht.
Lange Zeit kommt immer noch nichts. So ungefähr um 2:00 Uhr werde ich dann müde und beschließe, mir einen Kaffee zu machen.

Wie es halt so ist. Stundenlang ist nichts und kaum will man was machen, gehts schon los.
Ich sitze also so da in der Stille, bis auf das leise Schnarchen von Herbert und das Platschen, als plötzlich ein tiefes Grollen durch die Luft schwingt.

Ich blicke die Donau hinunter und sehe etwas, das wie ein UFO wirkt, aber ein USO (leider nicht Ouzo) ist. Die Lichter gehen über die gesamte Breite des Flusses, extrem hell, auf dem Wasser reflektierend und wirklich, wirklich breit.
Nicht gut.
Was machen? Wir wussten ja noch immer nicht, was die Wellen hier beim Vorbeifahren anrichten würden. Also räume ich erstmal alles weg, das umfallen könnte. Überlege, ob ich Herbert wecken soll, oder nicht und entscheide mich dagegen.
Vertrauen haben. Wird schon gut gehen. Alles wird guuuuuuuut.

Das Dings wird immer lauter. Und immer breiter.
Das kann sich nie und nimmer ausgehen. Dabei fällt mir ein (erstaunlich, wie so ein Hirn funktioniert) dass ich vor so ungefähr sieben Leben mal einen Lokführer kannte.
Und der hat mir erzählt, dass die Drop-Out-Quote extrem hoch ist, weil man im Dunkeln bis zuletzt glaubt, dass sich der entgegenkommende Zug auf dem gleichen Gleis befindet.
Okeee.

Ich sitze also im Finstern am leergeräumten Tisch, beide Hände an der Tischplatte, Knöchel weiß und murmle das Mantra: „Das ist hier ganz genauso. Das ist hier ganz genauso.“
Ungefähr so muss sich der Heuschreck fühlen, wenn die Mähmaschine kommt.
Nicht gut. Gar nicht gut.

Tja, was soll ich sagen. Den Loktest habe ich bestanden, konnte ja aber auch schlecht weg. Das Gebilde zog sogar mit einem ziemlich großen Abstand vorbei. Es hat zwar ordentlich geschaukelt, aber alles hat gehalten. Auch der Anker. Alter Falter….

Eine Stunde später wacht Herbert auf:“ War was?“ Als ich dann geschlafen habe, durfte er aber auch mal auf der Schaukelbahn fahren.

Die Learnings:

Ankeralarm App
Ich habe jetzt die App Ankeralarm. Die funktioniert wirklich gut. Bei mir gleich zwei Mal.
Beim ersten Mal, als ich vor lauter *dings* den Radius nur unwesentlich größer, als die Sabu eingestellt hatte. Das zweite Mal, als wir in der Morgendämmerung den lauschigen Ort verließen. In der IT nennt man sowas pebcat. (problem exists between chair and table)

Das Platschen
Der liebe Christian (unser Dr. Inox) ließ mich wissen, dass es sich dabei um Zander handelt. Die kommen nachts an die Oberfläche zum Räubern. Es schlug vor, das nächste Mal eine Angel mitzunehmen, weil wir dann gleich ein leckeres Abendessen hätten.
Wenn ich überlege, was ich hätte mitnehmen sollen, denke ich eher an Helikopter oder so.

Tag 6 Budapest: Wasser! Aber da, wo es nicht sein soll.

Angefangen hat es ja so: Wir haben für den Tisch am Heck eine Hilfskonstruktion. (IKEA Tischbeine, die billigsten verstellbaren). Sie sind aber nicht verstellbar genug, um die Schräge auszugleichen. Später, wenn die Masten wieder montiert sind, wird die Tischplatte daran befestigt und gerade sein.
Derzeit: Kein Mast, also leicht nach hinten abfallender Tisch. Macht nicht so viel, denn bis zum Rand angefüllte Gläser sind auf einem Boot ohnehin keine gute Idee.
Jedenfalls, als ich so auf mein Glas schaue, ist der Mund mal wieder schneller als das Hirn und ich frage: „Ich weiß nicht, war das immer schon so schräg?“
Kleine Frage, große Wirkung. Herbert springt auf. Haben wir einen Wassereinbruch?! Ist beim Bumpern im Strom irgendwas kaputt gegangen?

Wasser in der Bilge

Was folgt ist schnelles Aufreissen aller Schapps. Und wir finden Wasser in der Motorbilge. Es steht so hoch, dass die Bilgepumpe hätte anspringen müssen. Tat sie aber das letzte Mal beim Test vor der Abfahrt. Vielleicht mag sie es nicht so nass.
In weiterer Folge kriechen wir in jeden Winkel unten, hinten und noch weiter hinten, noch weiter unten und suchen. Wo kommt das Wasser her?

Hüte dich vor deinen Wünschen, denn sie könnten in Erfüllung gehen …
Wir hatten uns ja Wasser gewünscht. Aber doch nicht da!
Die gute Nachricht: Alles andere war trocken.
Die schlechte Nachricht: Alles andere war trocken.
Also wo kommt es her? Und warum sprang die (neues Wort einsetzen) Bilgepumpe nicht an? Fragen über Fragen.
Falls jemand auch gerne ein Boot hätte: Den nächsten Teil genau lesen. Den letzten eigentlich auch.
Ich knie also vor dem Abgrund und hole mit dem Schwamm 25 Liter Wasser aus der Bilge.
Kopf nach unten, Bauch einziehen und geht schon. Andere zahlen Mitgliedsbeitrag im Fitness Center. Oder haben eine Bilgepumpe. scnr

Wir legen das Ding mal so einigermaßen trocken. Das Warten beginnt. Kommt was nach? Es ist relativ windig, das Schiff bewegt sich und daher ist schwer zu sagen, ob sich der Wasserstand verändert. Es scheint jedenfalls nicht dramatisch rein zu rinnen. Aber wie wir ja alle wissen, sind die Leisen die Gefährlichen.

Jetzt starren wir auf beiden Seiten des Boots ins Wasser. Außerhalb, ob es steigt. Innerhalb auch. Es steigt nicht. Beidseitig. Erstmal durchatmen. Dabei wollte ich ja eigentlich nur wissen, ob der Tisch schief ist…

Dieser Tisch.

Worst Case Szenario:
Die Kielbolzen haben beim Bumpern etwas abbekommen und es ist ein Haarriss im GfK. Diese Variante lehne ich entschieden ab.

Bad Case Szenario:
Der Befestigung beim Wassersammler hat sich gelockert und das Wasser ist beim Abstellen aus dem Auspuff wieder ins Boot gelaufen. Ist auch nicht schön, weil das Ding nur mit Verrenkungen erreichbar ist, die einen für den Zirkus qualifizieren.

Andere Szenarien:
Der Wassereinfüll-Stutzen ist undicht. Das wäre vergleichsweise einfach. Daher bin ich dafür. Oder es ist irgendwas anderes, das uns gerade nicht einfällt.

Wir stellen fest: Wir lassen wirklich nichts aus.
Jeder Tag bringt neue spannende Momente.  Das ist eh gut. Außer man ist gerade mitten drin, im spannenden Moment.

Einige Stunden später:
Das Wasser im Schiff steigt nicht. Das ist gut. Nach wie vor wissen wir nicht, wo es herkam. Das Wasser außerhalb steigt. Das ist auch gut.
Das Rätsel mit ohne Bilgepumpe hat sich zumindest gelöst: Ein Kontakt vom Massekabel hatte sich gelockert. Das macht der nie wieder!

Es ist ja alles für irgendetwas gut. Die Bilgepumpe ist ohne Ernstfall repariert. Alles passierte innerhalb des Hafens. Und ich habe einen neuen Cliffhanger.
Finden sie den Fehler? Fahren sie weiter?
Bleiben Sie dran. 😉

Tag 5: Nagymaros – Budapest

Stromkilometer: 1694 – 1654 (40), 9 Stunden

Viel Aufwand für wenig Strecke

Wer sich jetzt fragt, warum wir für 40 km 9 Stunden gebraucht haben, hat gut aufgepasst.
Wir verließen Nagymaros (bumm, bumm) um 5:00 morgens in Richtung Budapest, Marina Part.

Marina Part Budapest

Da waren wir ja schnell, doch dann abenteuerte es wieder.
In der Einfahrt blieben wir so schlimm stecken, wie bis dahin überhaupt noch nie. In Sichtweite der Marina, die telefonisch nicht erreichbar war. Und glaubt mir, ich habe es versucht.
Also machte ich die „müde Fliege“. (Danke Bernhard fürs Beibringen) Zuerst kam ein Angler, der ebenfalls niemanden in der Marina erreichen konnte. Dann stoppte ein kleines Motorboot. Auf den ersten Blick sah das Kräfteverhältnis nicht sehr gut aus. Aber nach mehreren Anläufen und mithilfe von Bugstrahlruder und Motor schwammen wir wieder. Ein paar neue Wörter habe ich dabei auch gelernt. Klar war, dass wir nicht mehr versuchen werden, da rein zu fahren. Aber wohin?

Wiking Marina Arpadbrücke, Budapest


Direkt in Budapest darf man nicht anlegen und davor gibt es nur zwei weitere Marinas.
Den Yachtclub Ujpest/Prestige, die ihr Telefon ebenfalls nicht abheben und die Wiking Marina unter der Arpad Brücke. Die schieden wir aus, weil lt. Buch die Einfahrt zum Versanden neigt.
Also fuhren wir erstmal weiter durch Budapest, während ich versuchte, jemand zu erreichen. Als letzte Rettung fiel mir Balasz ein, der sofort telefonisch zu Hilfe kam, Kontaktdaten geschickt und Informationen gesucht hat. Das war eine riesige Hilfe.
Bis das Problem gelöst war, waren wir allerdings bereits hinter Budapest und ich hatte kaum etwas davon gesehen.
Bissi Hektik im Sekretariat.
Die Lösung? Wiking Yachtclub. Der mit der versandeten Einfahrt. Wir bekamen wieder ein Foto von einem Zollstock. Dieses Mal mit 2,7 Metern.

Das Ende eines langen Tages: Wiking Yachtclub Budapest

Herbert wendete und wir fuhren auf der anderen Seite der Insel wieder zurück. So ungefähr 13 Kilometer. Gegen den Strom. Immerhin mit 6 km/h, zieht sich trotzdem ordentlich.
Aber es gibt nichts Schlechtes, das nicht auch was Gutes hat: Der Motor wurde wirklich gefordert und hat mit Sternchen bestanden. Die Kulisse ist traumhaft und wir kommen in den Genuss, sie gleich drei Mal zu sehen. (Ein Mal kommt ja noch.) Im Übrigen scouten Fotografen ohnehin im Vorhinein die Location.

Ab jetzt sind wir zu Zweit. Leo verlässt uns und fährt mit dem Zug nach Wien.
Wir entscheiden, zunächst hier zu bleiben und neu zu planen. Weiterfahren? Pause machen und warten? Abbrechen und zu Hause warten?

Tag 4: Komarno – Nagymaros/Visegrad

Stromkilometer: 1767 – 1694 (73), 8 Stunden

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Eigentlich wollten wir durch den Szentendre Kanal fahren, der wunderschön sein soll. Nach vielfachen Telefonaten wurde uns jedoch dringend davon abgeraten. Es ist zu wenig Wasser und der Kanal ist an sich schon sehr eng und schlecht zu manövrieren.
Daher beschließen wir, im Hauptstrom weiter zu fahren, auch wenn es schade ist.

Nagymarosi SE Kajak Kanu

Beim Hotel „Szent Istvan Fogado“ gibt es leider keinen Liegeplatz, aber die sehr nette Telefonstimme schickt mir die Telefonnummer von Peter vom nebenan liegenden Kajak-Club. Er macht sich mit dem Zollstock auf den Weg und kurz danach erhalten wir ein Foto mit einem nassen Zollstock. Wassertiefe 2,3 Meter – Hurra!
Nachdem wir angelegt haben, sieht es ein bisschen so aus, als wäre der Steg an der Sabu One befestigt und nicht umgekehrt. Außerdem ragen wir zur Hälfte darüber hinaus, was ein mulmiges Gefühl macht.
Peter renoviert ebenfalls einen Motorsegler und will damit nach Serbien fahren. Vielleicht begegnen wir uns ja später nochmal. Wir plaudern, trinken etwas und machen uns auf die Suche nach einem Restaurant.
Leider wenig erfolgreich. Letztendlich landen wir bei einer Art Imbiss-Stand. Hier wird hauptsächlich Fett verkauft. In unterschiedlichen Farben und unter verschiedenen Bezeichnungen. (Langos, Gyros etc.) Wenn das Denisa sieht … 😉 Beim Hinausgehen entdecken wir in 50 Metern Entfernung das Lokal, das wir eigentlich gesucht hatten. Zu spät.

Wegen der Verdauung warats.

Die erste Nacht im Strom

Und wieder kommt alles anders. Wir hatten gedacht, dass wir im Strom genug Wasser unter dem Kiel haben und dann war ja auch noch das mit dem Zollstock.
Theoretisch war alles ok, praktisch machten die Kreuzfahrtschiffe so arge Wellen, dass die Sabu One mit dem Kiel auf den Grund bumperte. Bumm, bumm, bumm. Nicht gut.
Die sehr kurze und rumpelige Nacht kostete uns (ohne Sanitär/Strom/Wasser/irgendwas) fette € 53.–. So früh wie möglich verlassen wir Nagymaros und hoffen auf Regen.

Tag 2-3: Modra Cajka – Schleuse Gabčíkovo – Komárno

Stromkilometer: 1852 – 1767 (85), 8 Stunden

Abfahrt Modra Cajka 11:00 Uhr
Nach einem sehr reichhaltigen Frühstück verlassen uns Balázs und Charly mit dem Taxi Richtung Bratislava. Der durch nichts zu erschütternde Leo begleitet uns weiterhin.
Es geht in Richtung Schleuse Gabčíkovo, die mich seit einiger Zeit in meinen Träumen begleitet. Den nicht so schönen Träumen. Aber unterwegs ist unterwegs und irgendwie sind ja alle noch hinten rausgeschwommen. Mit Boot.

Auf zur Schleuse Gabčíkovo

Weisungsgemäß kündige ich unsere Ankunft bei der Schleuse an.
Es stellt sich heraus, dass die Akustik unter laufendem Motor, Windgeräusch, unterschiedlichen Sprachen und Herzklopfen leidet. Dafür hat der Mann eine Stimme wie ein Donnergrollen und erlaubt die Einfahrt in den Kanal.

Keine Strömung, fad und langsam

Im Kanal gibt es wirklich nichts zu sehen. Er verläuft oberhalb der Ortschaften und alles, was wir erblicken sind Kirchturmspitzen und Werbeschilder.
Der Schubverband „Speed 2“ überholt uns und macht dabei seinem Namen alle Ehre.
Bereits mehrere Kilometer vor der Schleuse gibt es nahezu keine Strömung mehr und wir tuckern nur noch mit 6-7 km/h dem Ziel entgegen.
Als die Schleuse in der Ferne in Sicht kommt, schlagen die Nerven Alarm, weil wir nicht genau erkennen können, wo wir hin müssen.
Learning 1: Wenn man die Info braucht, sieht man sie. Aber halt vorher nicht.
Learning 2: Wir brauchen 45 Minuten länger als gedacht.
Was mir einen Anruf vom Donnergrollen einbringt. „Go faster“. Fast will ich salutieren. Schnell ist ja mit dem Motorsegler und ohne Strömung nur bedingt möglich. Aber die Kleine schnauft sich tapfer Richtung Schleuse.
Wo Speed 2 auf uns warten musste.

Nicht mehr fad: Motor startet nicht

Dieser Motor ist immer angesprungen. Bei der ersten Besichtigung, als er ausgebaut war, nachdem er überholt war, nachdem er wieder eingebaut war, als wir in der Kuchelau im Wasser waren und bei der Probefahrt. Nur in der Schleuse nicht. Schweißausbruch. Sogar Leo runzelt die Stirn und das ist wirklich ein Alarmsignal.
Es ist die Starterbatterie, oder eben halt auch nicht, denn die ist leer. Wenn ich alles geglaubt hätte, aber das nicht.
Teamleistung: Leo weiß, wo die Starterkabel sind (in der Bar, eh klar), Herbert macht den Batteriekasten auf und ich gebe ihm nacheinander, alles, was er gerade so braucht.
Eh alles wie immer, nur schneller.
Tatsächlich gelingt uns das Manöver ohne Verzögerung und niemand bemerkt, dass wir Problemchen bei der Ausfahrt hatten. *uff*

Yachtclub Komárno

Weiter gehts über die Donau, die die Grenze zwischen Ungarn und der Slowakei bildet. Trotz vielfachen Anrufen hebt am Liegeplatz Marina Alt, wo wir eigentlich hin wollten, niemand ab. Aufgrund des niedrigen Wasserstands ist für uns nicht nur die Frage, ob wir einen Platz bekommen, sondern auch, ob wir überhaupt zufahren können.
Das ist schon alles sehr seicht. Letztlich erreiche ich jemand beim Yachtclub Komárno. Die Zufahrt ist 2 km lang und wir tasten uns langsam vor. Im Buch steht bei solchen Gelegenheiten „gut loten“. Bei diesem Wasserstand wird allerdings jeder Gupf unter Wasser zu einem Hindernis. Immerhin ist unser Unterwasserschiff von den letzten Algen aus der Kuchelau befreit. Ob noch Antifouling drauf ist werden wir sehen. Irgendwann.
Der Yachtclub Komárno ist klein, einfach und hat alte, aber saubere Sanitäranlagen. Alles ist etwas in die Jahre gekommen, aber hier sind wir erst einmal gut aufgehoben.
Wir beschließen, eine weitere Nacht hier zu verbringen, damit wir uns etwas konsolidieren können. Man könnte ja zum Beispiel mal die Reisetaschen auspacken und so.
Der Öldruckschalter benötigt liebevolle Zuwendung, es tropft in den Motor (nicht viel, aber doch) und außerdem muss ja noch ein Rätsel gelöst werden:

Intensives Studium der Betriebsanleitung, wo denn der Strom hin verschwunden ist.

Lösung: Ein Kabel aus dem Testlauf war noch angeschlossen.
So hat die Batterie des Bugstrahlruders die Starterbatterie genüsslich entladen.

Erstmal durchatmen.

Außerdem unterwegs:
Das erste Mal „boat office“.
Ein cooles Gefühl, wenn man vom Bildschirm aufsieht und die Landschaft an einem vorbeizieht.

Die Stadt Komárno

Nach der ganzen Action haben wir ein Eis verdient. Wobei mein Verdacht ist, dass es mehr ums Motoröl geht, aber bei „Eis“ setzte ich mich lieber in Bewegung.
Mit dem Taxi fahren wir für schlanke € 3.– ins Zentrum. Wir folgen unseren touristischen Verpflichtungen, was in dem malerischen Städtchen leicht fällt.

Liegeplatz Komarno: Gegenüber einer alten Werft. Nicht schön, aber ruhig.
Schön ist eine Frage der Perspektive. Und der Uhrzeit.

Zwischen den Ländern

Nach dem Stadtbummel (Eis!) beschließen wir, dass wir zu Fuß zurück gehen. In der Nähe des Yachtclubs gibt es einen Baumarkt und einen großen Supermarkt. Wir brauchen Motoröl. Und Eistee. „Jemand“ meint, das sei nicht weit und geht leicht zu Fuß.
Was folgt ist ein Gewaltmarsch durch ödes Industriegebiet, bei sengender Hitze, ohne Schatten, ohne Eis. Tragisch. „Nur noch da durch“, „nach dieser Kurve“, „muss gleich da sein“ bilden die Geräuschkulisse. Irgendwann kommen wir dann endlich an und fliehen in den klimatisierten Tesco. Der Vorschlag, „den Rest“ zu Fuß zurück zu legen, („ist eh nicht weit“), wurde mit 2/3 Mehrheit abgelehnt und wir fahren mit dem Taxi. Für € 3.– .
Wir sind spät zurück und das Lokal am Anleger wirkt nicht sehr vertrauenerweckend. Aber es gibt kaltes Bier, sowie, als einziges nicht-alkoholisches Getränk Soda Zitron.
Daher wird das erste Mal an Bord „gekocht“. Gulaschsuppe, was sonst.

Tag 1. Kuchelau – Modra Cajka

Stromkilometer: 1935 – 1852 (83), 9 Stunden

Ein Anfang und ein Ende
Auf diesen Tag haben wir fast 10 Jahre lang hingearbeitet. Die Sabu One verlässt den Hafen Kuchelau. Schwimmend, schnurrend und als wäre es nie anders gewesen.
Die zwei Dienstbo(o)ten pendeln zwischen Freude und Fassungslosigkeit. Und ja, es flossen ein paar Tränchen.
Dieser Tag markiert nicht nur den Anfang unserer Reise über die Donau. Es ist auch das Ende einer Refit-Reise, die vor knapp 10 Jahren ihren Anfang nahm. Die Sabu One stand rum, wurde auf Tiefladern durch Europa gekarrt, stand auf Böcken, bei Mistkübeln, in einer Scheune, unter einem Riesencarport mit erhöhten Füßen und die letzten beiden Jahre in der Kuchelau im Wasser.
Wir haben Menschen kennengelernt, die uns geholfen und Zuspruch gegeben haben und solche, die mit „das wird nie was“ kommentiert haben. In der Regel hinter unserem Rücken.
Es hat sich herausgestellt, dass eine große Reise auch aus kleinen Entfernungen, dafür aber um so großartigeren Menschen bestehen kann.
Ein dickes Danke an alle Reisebegleiter.
Und an den Rest: Ätschi Bätschi 😉


Wegfahren und Dableiben
An Bord: Herbert (Skipper), Annette (Tränchen), Balázs (Schiffsingenieur ;-)), Leo (Ruhepol und Intarsienbeauftragter) und Charly (Pausen- und Bierspender). Neben vielen anderen haben die drei uns in den letzten Wochen und Monaten geholfen, den Endspurt zu bewältigen.
Wir freuen uns, dass wir ein wenig zurückgeben können, indem sie die Freude des Ausfahrens mit uns teilen und live erleben.
Nicht an Bord: Denisa und Sascha, die in unseren Herzen mitfahren, Kurt, dessen Geist unseren Motor überwacht, Wolfgang und Karin, unter deren Plane ich jetzt im Schatten sitze, Bernie und Alex, die sich von unseren Erlebnissen nicht von ihrem eigenen Projekt abbringen lassen. Wir könnten uns keine besseren Reisebegleiter wünschen.

Aber jetzt: Wir fahren
Wir verlassen unter großem Jubel die Kuchelau (km 1935) und schon beim Donau Fritzi stehen die nächsten Fans. Johlen, Fahnen, Winken. Wir hupen. Gut, dass Herbert den Signalgeber gestern Abend noch angeschlossen hat.
Knappe 6 Kilometer später der erste Halt: Tanken in der Marina Wien.

und bleiben stecken:
Hier bleiben wir auch gleich das erste Mal stecken. Durch das Niedrigwasser können wir nicht direkt an den Tanksteg fahren. Daher wird die Spritleitung (ja, ja Diesel) bis aufs Äußerste gespannt und wir fassen 100 Liter Diesel.

Erste Schleuse: Freudenau
Viele Dinge machen wir heute zum ersten Mal. Auch die erste Schleuse: Alle hochmotiviert, weil danach darf ein Bier getrunken werden.
Es ist ein bissl heiß. Das Wetter. Die Aufregung kann es ja nicht sein. Was habe ich mich davor gefürchtet und dann geht es ruck zuck und ohne Probleme. Alles gut und wir haben wieder Oberwasser. 😉

Apropos steckenbleiben:
Abweichend vom Plan und auf Empfehlung von „jemand“ 😉 fahren wir kurz hinter Bratislava in den Hafen „Dodo“. Oder auch nicht. Schon in der Einfahrt bleiben wir stecken, aber richtig. Dankenswerterweise hilft uns ein Bootfahrer aus dem Schlamm-Massel. Allerdings war der Wille größer als die Kompetenz, daher übernahm Balázs das fremde Boot und zog uns raus. Herbert war kurz „unentspannt“ und zum Fotografieren blieb keine Zeit.
Zum Aussteigen auch nicht mehr, also fuhren kurzerhand alle Passagiere weiter mit. Auch die, die eigentlich mit dem Twin City Liner am gleichen Tag nach Hause fahren wollten.

Etappenziel Modra Cajka:
Erst gegen 20:00 Uhr erreichten wir dann unser erstes Etappenziel. Der Yachtclub ist supergut organisiert und alle sind extrem nett. Über das Anlegen reden wir gar nicht mehr.
Die Anlage bietet Charterboote, einen Jet-Ski-Verleih und die einzige schwimmende Sauna auf der gesamten Donau! Wirklich nett!