Tag 22: Ram bis Veliko Gradiste

Stromkilometer: 1170 – sag ich erstmal nicht

Gestern haben wir ja die Bildersuche bemüht, um den Anleger zu finden. Man zweifelt ja schon an sich selbst: Ist das wirklich nicht da, oder sind wir zu blöd?
Und weil wir gerade so schön dran waren im Internet, haben wir mal nachgesehen, wie die anderen das so bewältigt haben.
Vorwiegend auf dem Blog der Segelyacht Valiente und natürlich bei Roland und Annemarie der Angicamaro, die diese Reise bereits 2012 absolviert haben.
Erleichtert stellen wir fest, dass es ihnen auch nicht anders ergangen ist. Das was man vermutet, gibt es oft nicht, aber dafür taucht dann doch immer etwas anderes auf.
Ein kontinuierliches Manöver des vorletzten Moments. Allerdings kommt bei uns noch der niedrige Wasserstand dazu.

Weit hammas bracht

Bei Annemarie und Roland werden wir schließlich fündig:
Nur 10 Kilometer weiter ist die Marina Silbersee. Wegen der im Buch beschriebenen Untiefen hatten wir das gar nicht beachtet. Doch so eine Untiefe hat einen wesentlichen Vorteil gegenüber einem Unterwasser-Gupf. Sie ist bekannt.
Ich telefoniere mal wieder und hurra! – tiefes Wasser (5-6 Meter) und es ist ein Platz verfügbar. Bei der Einfahrt sind die Untiefen durch Stecken gekennzeichnet. (Ohne Mensch drunter) Daher geht alles ausnahmsweise mal einfach, wir werden am Steg erwartet und die Leinen und ich verfolgen sogar das gleiche Ziel. Das Schicksal hat offensichtlich ein Einsehen.

Der Schatz im Silbersee

Wir finden unseren Schatz im Silbersee: Tiefes Wasser, stabile Stege mit Strom und Wasseranschluss, saubere Duschen, eine Waschmaschine und direkt daneben das Freizeitparadies „Silbersee“ mit vielen Lokalen, einem Schwimmbad und Bootsverleih.
Boot mieten wir aber keins.

Frisch geduscht, gschneuzt und kampelt (= sauber) in frischer Kleidung und das erste Mal seit drei Wochen in richtigen Schuhen!

Back to Life!

Tag 21: Belgrad bis Ram

Stromkilometer: 1170 – 1078, 9 Stunden

Ein letzter Blick zurück auf Belgrad, das wir nicht gesehen haben und auf geht’s Richtung Ram. Am langen Fähranleger soll es Wasser und Strom geben. Außerdem brauchen wir Milch für den Kaffee, Zigaretten und Kekse für die Seele.

Doch zunächst gibt es auf der langen Etappe erstmal wieder „Gegend“:

Über den Horizont

Reisen erweitert ja angeblich den Horizont. Meinen nicht. Vielleicht dann irgendwann im Nachgang, aber derzeit ist mein Horizont:

Die Kilometrierung – maximal 1 km
Bis zum nächsten Schild. Oft verwachsen, manchmal erst beim direkten Vorbeifahren sichtbar.

Die nächste Tonne – maximal 3 km
Die Betonnung in Serbien ist sagen wir mal lückenhaft. Für Landzeichen gilt mehr oder weniger dasselbe wie bei der Kilometrierung.
Geschätzt fehlen in etwa die Hälfte der Tonnen. Was an sich nicht so problematisch wäre, wenn wir nicht direkt innerhalb der Fahrrinne bleiben müssten, weil es am Rand und außerhalb sehr seicht wird. Herbert fährt daher immer mit Blick auf den Tiefenmesser.

Die nächste unmittelbare Aufgabe
Einen Ort zum Übernachten finden, Anlegen oder nicht, Einkaufen, Strom, Wasser und auch eine Internetverbindung. Der Fokus liegt auf der jeweils nächsten Aufgabe und sie zu meistern oder auszutricksen. Internet ist wichtig, da ich arbeiten muss und auch weil wir uns immer wieder an Navship orientieren, wofür eine Internetverbindung erforderlich ist.

So ist bis auf Weiteres mein Horizont eher sehr kurz. Aber das wird ja vielleicht noch.

Nächster Halt: Ram

Um 18:30 Uhr kommen wir schließlich in Ram an. Und suchen den langen Fähranleger. Den gibts nicht (mehr). Eine kurze Google Bildersuche ergibt, dass es da wohl mal einen langen Anleger gab. Jetzt ist da nur noch eine Mauer. Die Fähre fährt direkt an Land und entlädt Autos und Menschen direkt.
Keine Chance da anzulegen, also ankern. Und das Lokal scheint auch geschlossen zu haben. Was eh egal ist, denn die Sabu One mit der neuen, alten Ankerrolle alleine zu lassen, kommt ohnehin nicht infrage.
Also kein Anleger, kein Strom, kein Wasser.
Das erklärt auch das Problem mit dem Duschen. Ja, wir haben Duschen an Bord. Aber da wir nie wissen, wann wir aufgrund des Wasserstands wieder irgendwo „zuwi“-kommen, um Strom oder Wasser zu tanken, müssen wir haushalten.
Die Batterien sind unter 50% (letztes Mal Strom in Novi Sad), zwei einsame Schachteln Zigaretten liegen in der Lade.
Daher atmen wir nur noch durch den Mund. Naa, so schlimm ist es nicht (Fahrtwind!), fühlt sich aber so an.

I hea di Klopfn

Schon in Belgrad ist uns ein gluckerndes Geräusch aufgefallen. In regelmäßigen Abständen macht es „gluck, gluck“. Wenn „mir steht das Wasser bis zum Hals“ ein Geräusch hätte, dann wäre es dieses. Wir checken mal wieder die Bilge, aber da gluckst nichts. Das ist gut.
Die Lösung ist: Fischer klopfen mit einer Art Saugglocke („Pömpel“) auf das Wasser und locken so Welse an. Das Wasser trägt das Geräusch extrem weit. Das Glucksen, das sich anhört, als wäre es in der Achterkabine, stammt von dem Fischerboot im Bild, das wir nur in der Ferne sehen.

Ein goldener Sonnenuntergang belohnt uns für die Mühen. (Ich sag jetzt nix von „Neusiedlersee“, um die Stimmung nicht zu trüben.)

Duschen sind nicht einmal theoretisch für die nächsten Tage in Sicht.
Wasser, Strom? Vielleicht morgen.

Tag 19: Novi Sad bis Belgrad

Stromkilometer: 1258 – 1170, 8 Stunden

Die Sache mit dem Anker

Bevor ich es vergesse: Herbert hat die Pause in Novi Sad genutzt, um eine rege Diskussion mit der Ankerrolle zu führen. Es dauerte einen Tag und am Ende hatte er sie niedergeredet.
Über die Wortwahl sprechen wir hier nicht.
Es war nämlich folgendes:
Die „Seiten“Wände“ der Rolle waren zu niedrig. Daher ist die Kette gerne seitlich rausgesprungen und hat sich verklemmt. Zunächst war die Vermutung, dass das an der Strömung liegt (man erinnere sich an Stromkilometer 1556), da die Kette da seitlich sehr beansprucht war.
In Backa Palanka hatten wir allerdings dasselbe Problem, jedoch keine Strömung als Ausrede. Selbstverständlich war es kurz so, dass das nur an meinem nicht-sorgfältig-genug-Schauen lag. Dabei gibt’s doch kaum etwas Spannenderes, als eine Kette beim Runterlaufen zu beobachten, oder? Wo doch die Winch so schön wummert, die Kette kräftig rasselt und man insgesamt nur einen Wunsch hat: Lass das Ding halten und mir nichts ins Gesicht knallen.
Also jedenfalls lag es dann doch nicht an mir und solang es nur die Kette mit dem Seitensprung ist, geht’s ja noch. Nach kurzer Suche fanden wir die zwei Rollen im Ersatzteillager und Herbert verzog sich an den Bug, um die Verhandlungen zu beginnen.
Am Abend war er sehr schön braun und wir hatten eine andere Ankerrolle.
Seitdem klemmt nichts mehr. Also dort nicht.

Ausfahrt aus Novi Sad

Da der Wasserstand leicht gestiegen war, erwarten wir bei der Ausfahrt keine Probleme.
Najo. Also, Herbert fuhr genau da raus, wo wir reingefahren sind, beängstigend nah an dem Strand. Dieser ist menschenleer, da es abgekühlt hat, also ist auch kein lebender Lotse verfügbar. Dafür aber ein Gupf. Die Kleine macht „umpf“ und wir sitzen mal wieder auf.
Im Hafen von Novi Sad ist reges Treiben. Eigentlich. Denn als wir so auf unserem Gupf sitzen und Ausschau halten (die müde Fliege mache ich in der Zwischenzeit aus dem FF, ohne dass es mir peinlich ist), kommt nichts. Gar nichts. Da wird jede Minute zur Ewigkeit.
Und in der Marina hebt mal wieder keiner ab. Das kennen wir ja auch schon gut.
Endlich ein Motorboot! Nutzt aber nichts, mit 1,1 Meter „Tief“-gang sitzt er selbst auf. Rettung naht in Form einer Zille. Nach langem Schubsen, Ziehen und guten Zureden schwimmen wir endlich wieder.
Für Herbert ist jede Grundberührung wie wenn man ihn prügelt.
Er leidet jedes Mal fürchterlich und die Menge an neuen Worten erreicht lichte Höhen.
Jedenfalls lieben wir jetzt Zillen.

Zwischen Novi Sad und Belgrad

Auch hier ist wieder viel vom Gleichen. Wasser und Bäume am Rand halt.
Doch dann verändert sich die Landschaft doch etwas.
Steil abfallende Hänge am rechten Ufer wirken wie eine Wand. Auf der anderen Seite grasen Kühe und gehen bis ins flache Wasser.
Und wenn wegen ein paar Kühen schon die Aufregung steigt, ist das ein Zeichen, dass sonst nicht besonders viel los ist.

In Belgrad

Kurz nach 5 landen wir schließlich in Belgrad, wo uns Georg schon erwartet.
Die Kommunikation hat super funktioniert und wir finden fast sofort sein Lokal „Vodenice“ unterhalb der Festung.
Der Steg, an dem wir festmachen, ist mehr als nur wackelig und einmal mehr sind wir froh, dass wir die beiden dicken Ballonfender haben.
Das schwimmende Lokal liegt direkt an der Mündung zwischen Donau und Save. Ein riesiges Freizeitparadies für Belgrader. Hier fahren alle Arten von Schiffen durch. Von der Zille, über Partyboote bis zum Kreuzfahrtschiff und ein paar merkwürdigen Kreationen ist alles dabei.

Das Lokal, der Steg, das Schiff, alles rumpelt durcheinander. Doch irgendwie hält die Konstruktion, ich vermute aus reiner Sturheit. Oder Gewohnheit.
Wer weiß, wie Herbert am liebsten mit dem Wattebausch das Schiff poliert hätte, kann sich keine Vorstellung machen, was das Gerumpel mit ihm anrichtet.
Insbesondere, wenn er auf der Toilette sitzt. Und dann nicht mehr. Die Donau bekommt ein paar ganz besonders schmeichelhafte neue Worte verpasst.

Man kann WIRKLICH nie genug Fender haben.
Heute haben wir es nicht weit ins Bett…

Duschen, Strom und Wasser gibt’s hier nicht, dafür aber den Besitzer. Georg ist ein charmanter, sehr hilfsbereiter und unterhaltsamer Gastgeber.
Nach dem ersten Raki sieht die Welt schon wieder besser aus.
Das Gute ist: Wir haben es nicht weit ins Bett. Deshalb sind wir auch früh schlafen gegangen.
Um zwei.
Es war eine Nacht mit lautem Blues, viel Raki und einer ganz besonderen Stimmung.
Der letzte Raki dürfte irgendwie nicht mehr in Ordnung gewesen sein, daher gehen wir am nächsten Tag in den Krankenstand.
Es ist nämlich nicht mehr ganz klar, was oder wer da schwankt. Vermutlich eh alles.
Georg fährt uns netterweise noch zum Getränkehändler da wir Wasser brauchen (viel Wasser!) und wir gehen auf den Markt.
Mehr war den Rekonvaleszenten an diesem Tag nicht zuzumuten und der Abend verlief dann auch eher beschaulich.

Sightseeing

Warum sind wir in Belgrad und sehen die Festung von unten, ein Lokal von innen, einen Fluss (jö!), einen Markt und sonst nichts?

Es ist so:
Städtetrip Belgrad mit dem Flugzeug, im Kaffeehaus sitzen, Leute beobachten, Sehenswürdigkeiten anschauen – alles super.

Städtetrip Belgrad mit dem Boot nach über einer Woche Katzenwäsche (die letzte warme Dusche war in Apatin) bei mehr als 30 Grad, bergauf und zu Fuß – nein danke.

Tatsächlich überlegen wir an diesem Abend, ob es eine Möglichkeit gibt, die Sabu von Belgrad auf dem Landweg nach Kroatien zu transportieren und nach Hause zu fliegen.
Die ganze Operation ist schon sehr strapaziös für Mensch und Material.
Am Ende entscheiden wir uns doch dagegen und werden unsere Reise fortsetzen.
In der Früh geht es dann noch kurz zum Tanken und wir sind wieder auf dem Weg ins nächste Abenteuer. Ungeduscht aber willig.

Tag 15: Bačka Palanka bis Novi Sad

Stromkilometer: 1299 – 1258, 4,5 Stunden

Die Zufahrt zum Yachtclub Liman wurde ebenfalls als versandt angegeben. (Jö!) Erfreulicherweise erreiche ich Mirjana vom Yachtclub und es macht sich wieder einmal ein Zollstock auf den Weg. Die Kommunikation erfolgt per WhatsApp. Sie haben einen Platz und es sollte sich mit der Tiefe ausgehen. Und dann bekomme ich noch eine Flugaufnahme des Liegeplatzes. Ich bin im Himmel! Die Internetverbindung gibt 10 Minuten nach dem Austausch auf, wieder mal Glück gehabt.

Direkt neben der Einfahrt ist ein Badestrand, der bei dem heißen Wetter bummvoll ist. Wir nähern uns also wieder in Schleichfahrt an und bleiben prompt stecken.
Ein Mann läuft vom Strand auf uns zu und springt mit einem langen Ast in der Hand ins Wasser. Er beginnt damit zu fuchteln und zeigt uns so den Weg in den Hafen.
Nämlich da, wo er „absäuft“. Deshalb hat er den Ast mit, denn den Mann sehen wir ja nicht mehr. Das ist so unglaublich nett, dass ich gar nicht weiß, was ich sagen soll.
Dank dieser Hilfe und mit ein bisschen hin und her landen wir schließlich wohlbehalten am richtigen Liegeplatz, wo bereits Marjana mit zwei Männern auf uns wartet und beim Anlegen hilft.
Das Leben kann so einfach sein.

Do samma.

Freizeitparadies Liman

Im Seitenarm gegenüber von unserem Liegeplatz gibt es eine Hausboot-Siedlung. Hier sind Gartenhütten, Wohnwagen und allerlei Konstruktionen auf Pontons verbaut.
Bauordnung? Unbekannt. Und doch haben alle das Unwetter überstanden.
Hier schaffen sich Menschen kleine Paradiese – schön zu sehen.

Wir fahren Schlauchboot!

Jetzt ist endlich auch die Zeit und Gelegenheit, das Schlauchboot in Betreib zu nehmen. Wir lassen es das erste Mal zu Wasser, nachdem wir die SEHR sorgfältige Verknotung in der Kuchelau geöffnet haben. Herbert rudert zunächst eine Runde und montiert dann (Premiere!) den Motor. Läuft.
Der Arm ist nicht sehr lang, aber die bunten Hausboote und die vielen, kleinen Boote geben uns erstmals richtiges Urlaubsfeeling.

Es sind weitere Unwetter angesagt. Da wir ja nie wissen, ob und wo wir abends einen sicheren Platz finden werden, beschließen wir, diese Gewitterzellen in Novi Sad abzuwettern.
Mit Windy beobachten wir akribisch, was sich wohin verzieht. Das Zentrum soll sich genau zwischen Novi Sad und unserem nächsten Ziel Belgrad befinden.

Abwettern in Novi Sad

Also verzurren wir alles, legen noch ein paar zusätzliche Leinen und hoffen, dass die Gegend nicht innerhalb weniger Tage zwei Mal mit solcher Wucht getroffen wird.

Es ziehen ein paar Zellen durch, weitaus nicht so schlimm wie erwartet. Trotzdem bin ich bei sowas lieber im Hafen.

Nachdem sich das alles verzogen hatte, kühlt es deutlich ab. Da ist nach der brüllenden Hitze in der letzten Zeit sehr angenehm. Wir kochen Tee, packen die Jacken aus und erkunden die hübsche Altstadt von Novi Sad:

Am Abend ein letzter Blick auf den Hafen.
Morgen geht es weiter nach Belgrad.

Tag 14: Apatin bis Bačka Palanka

Stromkilometer: 1402 bis 1299 – 8,5 Stunden

Einst steht fest: Rekorde werden wir nicht brechen. Das liegt einerseits am Wasserstand und der damit verbundenen Unsicherheiten, andererseits aber auch an uns.
Nach den letzten mehr als intensiven Monaten und aufgrund der brüllenden Hitze gehen wir es sehr ruhig an. Das bedeutet auch Siesta am Nachmittag. Ein Buch zu halten ist bereits Anstrengung genug.
Doch so gehts natürlich nicht weiter und daher machen wir uns schließlich nach Bačka Palanka auf. Dort gibt es einen Ankersee und es sollte tief genug für uns sein.

Der Weg dorthin ist nicht sehr spektakulär, Donau halt.
Ein paar Sachen gibts aber schon zu sehen:

Unwetter in der Region Bačka

Und dann wird es merkwürdig. Über viele Kilometer sind fast alle Bäume in der Mitte abgeknickt. Die Kronen, die noch da sind, zeigen parallel zum Fluss. Offensichtlich ist hier ein Unwetter durchgezogen.
Treibgut gibt es nicht, daher vermuten wir zunächst, dass das schon einige Zeit her war.

Leider habe ich da nur ein Foto gemacht und man sieht die Verwüstung nicht so wie in natura. Dieser Anblick sollte uns bis Novi Sad begleiten. Dort erfuhren wir dann, dass am Freitag, also zwei Tage zuvor ein fürchterliches Unwetter durchgezogen ist, das riesige Schäden verursacht hatte. Ein Kind ist ums Leben gekommen, die gesamte Ernte wurde vernichtet und alleine in Novi Sad fielen dem Sturm mehr als 1000 Bäume zum Opfer, darunter uralte Platanen.

Nach dem eigentlichen Plan und wenn es in Apatin nicht so heiß und die Donau nicht so niedrig gewesen wäre, wären wir da mitten rein gefahren. Das hätten wir mit Sicherheit nicht ohne Schäden überstanden.
Zu meinen Apps gesellt sich jetzt neben Ankeralarm die Unwetterwarnung.

Ankern in Bačka Palanka

Der Ankersee bei Bačka Palanka soll bis zu 3 Meter tief sein. Wir finden die Zufahrt in den Bagar Altarm bei dem roten Portalkran sofort und schleichen uns nach hinten.
Die tatsächliche Tiefe beträgt über 4 Meter! Möglicherweise hängt das mit dem Unwetter zusammen, von dem wir da allerdings noch nichts wussten.
Die Bilder des Ankersees entsprechen (wie so oft) nicht so wirklich der Realität. Am Ufer steht eine riesige Fabrik, vermutlich ein Kieswerk, dessen Motoren die ganze Nacht brummen. (Ist laut und schirch und ohne Foto)
Wie so oft in letzter Zeit, liegt zwischen „idyllisch“ und „grindig“ oft nicht einmal eine viertel Drehung des Kopfs. Von letzterem gibts allerdings nie Fotos vorab.

Dieses Mal gibt es auch fast keine Verwurschtelungen beim Anker und so verbringen wir gut geschützt die Nacht. Es scheint, als würde sich unsere Hopperla-Frequenz verbessern.

Apatin

Es ist heiß. Sehr heiß. Das Thermometer zeigt kontinuierlich mehr als 35° an.
Am nächsten Tag sitze ich geschützt im Restaurant und arbeite. (W-LAN!)
Herbert arbeitet währenddessen in der brüllenden Hitze am Boot. Jetzt sind endlich auch die restlichen Fenster dicht. Er füllt Motoröl nach und schließt diverses elektronisches Gerät an. Ein bisschen wärmer noch und Löten geht ohne Kolben…
Am Steg ist eine kühlende Dusche fast unmöglich, da das Wasser ebenfalls in der langen und wenig benutzten Leitung kocht.

Am Nachmittag machen wir uns auf in die Stadt Apatin. Die Altstadt ist schön, versprüht aber einen gewissen „gewesenen Charme“.
Die ansässige Brauerei produziert Jelen, das meistgetrunkene Bier Serbiens und ist der größte Arbeitgeber.

Leider verfallen viele schöne Gebäude, aber man kann noch erkennen, dass dies einmal ein gutbürgerlicher, eher wohlhabender Ort war.

Die an sich schöne Fußgängerzone bietet viele schattige Plätze unter großen Bäumen. Die meisten Geschäfte stehen jedoch leer. Und die, die geöffnet haben, versuchen die viel zu leeren Regalflächen zu kaschieren. Irgendwas klappt hier gar nicht. Jemand erzählt uns, dass Apatin zusehends ärmer wird, aber den Grund kennen wir nicht.
Es gibt nur zwei Bereiche, die voll sind: Second Hand Shops, von denen gleich mehrere in unmittelbarer Umgebung um die Kundschaft ringen und Eissalons.

Das Thermometer bewegt sich immer weiter nach oben, der Wasserstand nach unten.
So beschließen wir, dass wir erst einmal bleiben. Was sich später als gut herausstellen sollte, denn so sind wir vermutlich einer richtigen Katastrophe gerade noch entgangen.

Tag 10 Mohacs bis Apatin

Stromkilometer: 1449 – 1402, 5,5 Stunden (kein Zusatz – Hurra!)

Nach einer ruhigen Nacht an der Schulter des 80 Meter langen Schubschiffs starten wir unsere heutige kurze Tour.

Auf dem Weg nach Apatin

Heute geht es ins nur knapp 50 km entfernte Apatin – zum Einklarieren und in eine Marina. Mit W-LAN! Und Duschen!
Die Donau schlängelt sich zwischen Serbien und Kroatien durch die Landschaft. Viel gibt es hier nicht zu sehen. Insbesondere die serbische Seite wirkt menschenleer. Dort, wo auf beiden Seiten Häuser sind, sieht man einen deutlichen Unterschied zwischen der eher aufgeräumten und instand gehaltenen kroatischen und der zumindest optisch ärmeren serbischen Seite.

Disconnected

Die Internetverbindung auf serbischer Seite macht uns Probleme. Wir haben kaum Empfang und weichen daher zum Finden der Bojen auf Karte und Feldstecher aus.
Plötzlich ist das einzige, was wichtig ist, die nächste Boje. Das ist für einige Stunden mein gesamter Horizont. Klingt langweilig, aber trotzdem vergeht die Zeit schnell.

Ich war ja lange kein Fan von dieser Tour. („Jahre meines Lebens, beachtliche Geldbeträge und dann siehts aus, wie in Hainburg“) Ein bisschen stimmt das sogar. Über weite Strecken sieht es aus, wie es an der Donau halt so aussieht.
Doch zwischen Mohacs und Apatin auf der Höhe Sombor wird es plötzlich still. Herbert und ich sehen uns an. Es ist auf einmal unglaublich schön. Die Donau schwingt in sanften Wellen von Ufer zu Ufer. Wie ein riesiges Seidentuch, das achtlos weggeworfen wird, schimmert der Fluss smaragdgrün. Die Gegend scheint alle Geräusche zu verschlucken und alles wirkt, wie in tiefem Frieden. Schon alleine diese paar Kilometer sind eine Reise wert.
Wenn disconnected, dann bitte so.

Einklarieren in Apatin

Am Nachmittag treffen wir schließlich in Apatin ein. Dieses Mal klappt die Kommunikation problemlos. Wir wissen, wo wir hin müssen und jemand kommt, um uns den Platz zu zeigen.
Und: Wir sind nur ein ganz kleines bisschen bei der Einfahrt aufgesessen!

Da wir brave Bürger sind, beschließen wir, dass wir zuerst einklarieren und dann ein kaltes Bier trinken. Und wenn wir ohne Fahne auftauchen ist das vermutlich auch besser.
Ein einsamer Beamter sitzt in einem großen Gebäude, es ist schattig, es ist kühl.
Wir zeigen all unsere Papiere (inklusive Crewliste!) vor und er grummelt vor sich hin.
Aber er grummelt irgendwie freundlich. Genau weiß man es nicht.
Dann nimmt er unsere Ausweise, fotografiert sie mit seinem Handy und schickt die Daten irgendwo hin. Er blickt auf und grummelt: „Sit. Wait.“
Wir fallen also in die Besuchersessel, immerhin ist es ja angenehm kühl im Raum.
Im Übrigen ist es schon lustig, dass wir alle jeden Tag 1.000 Mal Cookies von einer Website wegklicken und dann an der Grenze Fotos unserer Ausweise via Handy übermittelt werden. Wengan Datenschutz warats halt.
Irgendwann piepst es auf dem polizeilichen Schreibtisch. Was auch immer die Prüfung war, hat ergeben, dass wir nicht kriminell sind oder gesucht werden. No bitte. Somit sind wir offiziell in Serbien eingereist und haben die EU verlassen. Und das Internet.

Marina Apatin

Wir liegen direkt in der Einfahrt zur Marina neben der Tankstelle. Im Hafen liegen fast ausschließlich Zillen in allen möglichen Formen und mit unterschiedlichen Aufbauten.
Ein kurzes Durchzählen ergibt 10 Boote auf der anderen Stegseite unseres Liegeplatzes.

Die Marina Apatin besteht aus einer absurden Menge Beton, aus der ein Hafenbecken gegossen wurde.
Das ist besonders praktisch. Denn sollte die Temperatur einmal unter 35° fallen, hat man gleich einen Kachelofen zum Wiederaufwärmen.

Bei diesem An-und Abstieg überlegt man sich wirklich ganz genau, ob man auch alles zum Duschen mitgenommen hat.
Diese Rampe hat es in sich.

Was aussieht wie ein UFO-Landeplatz ist eine Sliprampe.
Naja, runter gehts ja immer von alleine.

In der Einfahrt zur Marina brausen Zillen und Jetskis durch. Daher ist es relativ laut und manchmal schaukelt es ziemlich. Das W-Lan reicht nicht bis zum Boden des Hafenbeckens.
Dafür gibt es ein gutes Restaurant mit einwandfreiem W-Lan. Dort sitze ich im Schatten und arbeite. Die Preise hier sind sehr moderat: Das (große) Bier € 1,5, Hauptgerichte um die € 6.–. Wir beschließen, dass wir erst einmal bleiben, um zu sehen, wie sich der Wasserstand entwickelt.

Menschen

Bis jetzt konnten wir alle Abenteuer(chen) bestehen und das ist auch einigen Menschen zu verdanken.

Arko, der in Budapest fünf verschiedene Taxi-Unternehmen angerufen hat, bis eins einen Wagen frei hatte. Murmelnd, was das für ein Land sei, wo der Aufwand für ein Taxi so hoch ist. Und der am Abend angerufen hat, ob wir eh wieder heil gelandet sind. (Der Taxi-Ausflug gingt zum Einkaufen – Trinkwasser)

Dario, dem wir in Apatin begegnen werden und der uns wieder mit der Welt des Internets verbindet.  

Der Agent von YU-agents, der mir in Mohacs in sengender Hitze die Crewliste bringt, obwohl ihn das eigentlich gar nichts angeht, da er eigentlich nur Fracht abwickelt.

Und dem Kapitän des Schubschiffs Ante, der uns in Mohacs an seiner 80 Meter langen Seite Geborgenheit gibt.

Der eigentlich schon pensionierte Kapitän aus Ruse spricht sehr gut deutsch. Der Sicherheit halber kommen aber noch Hände und Füße dazu. Er hat vor vielen Jahren in Baden Württemberg gearbeitet und beendet seine Sätze gerne mit: „Vielen Dank für Ihr Verständnis.“
Haben wir. Eh klar.

Nachdem wir festgemacht hatten, bot er uns in rascher Folge: Dusche, WC und ein Abendessen an. Nach wenigen Minuten waren Herbert und er in rege Diskussionen vertieft. Wir haben viele Tipps bekommen und es war ein sehr lustiger Abend. Auch wenn mein Kopf vor Müdigkeit fast in den ausgezeichneten Käse geplatscht wäre.

Am nächsten Morgen plaudern wir munter weiter. Das Handy des Kapitäns hat keinen Internetzugang mehr. Und ob Herbert was machen kann. Der richtet alles wieder schön ein und ich bin froh, dass das Schubschiff kein automatisches Tor hat. (Insider für die Kuchelauer Gemeinde)

Als Herbert schließlich nach einer Fettpresse fragt, kommt gleich der ganze Mechaniker mit und schmiert auf Knien im Durchgang unsere Welle.
Ehre, wem Ehre gebührt.

Wir tauschen die Kontaktdaten aus. Noch ein Mal winken und schon sind wir wieder auf dem Weg.

Vor 10 Tagen sind wir in der Wiener Kuchelau aufgebrochen. Es kommt mir erheblich länger vor. Wer in der ersten Woche richtig Stress hatte, war mein innerer Monk. Wenn irgendwas auf irgendwas liegt und nichts da ist wo es hingehört, weil man noch nicht weiß, was wo hingehört, kriegt er Stress. Und ich auch.

Daher habe ich die Pause in Budapest genutzt, um zumindest im vorderen Bereich klar Schiff zu machen.

Protokoll Wien Kuchelau, Mohacs (EU-Grenze)

Austausch Öldruckschalter (mit Leo), seither tropft kein Öl mehr aus dem Motor

Unnötiges Kabel zu Starterbatterie entfernt, seither sprang sie immer an

Bilgepumpe instand gesetzt. Seither hatten wir kein Wasser mehr in der Bilge. 😉

Türschnallen beim Klo montiert: Leo, mein Held!

Lüftungsschlauch beim Motor hatte sich los gerappelt, Leo fixierte.

Garderobenstange montiert (Leo!) – sehr hilfreich beim Koffer auspacken

Einlauf Wasser zusätzlich fixiert. (Wir wissen immer noch nicht, wo das Wasser herkam)

Technisches

Diesel: 175 Liter (100 Wien, 75 Budapest)

Wasser: 250 Liter (100 Komarno, 150 Budapest)

Welle geschmiert bei 1447

Teile, die wir (neu) brauchen: Öldruckschalter, Starter, Fettpresse, Ankerkralle

Marinas / Anlegestellen

Km 1852: Modra Cajka

Km 1654: Wiking Yachtclub Budapest, Arpad Brücke

Km 1556: Ankern im Strom

Km 1447: Mohacs, anlegen an Schubschiff

Distanzen / Stunden

Distanz gesamt: 488 km

Motorstunden: 60

Tage mit Fahrt: 7

Tage ohne Fahrt: 3 (Komarom 1, Budapest 2)

Tag 9 km 1556 – bis Mohacs

Stromkilometer: 1556 – 1449 (107), 10 Stunden + 2 Stunden (schon wieder!)

In der Morgendämmerung verließen wir das Land der Karpfen. Jeder von uns hatte nur wenige Stunden geschlafen. Der Tag versprach anstrengend zu werden:
Viele Kilometer und Ausklarieren in Mohacs.
So zogen wir zwei Übernachtigen los.

Die richtige Art sich zu sorgen

Bevor wir weggefahren sind, hat Bernie zu mir gesagt: „Gefürchtet hast du dich jetzt schon. Hast erledigt, kannst aufhören.“ Recht hatte er, Polizist halt.
Es ist nämlich so: Was wir befürchtet hatten (ok ich), tritt nicht ein.
Die Kleine schnurrt völlig problemlos die Kilometer ab. Die Bilge ist trocken, sie springt brav an, wenn sie soll und bei Wellen fühlt es sich an, als würde sie vor Freude tanzen.
So lang wir in Bewegung und in der Fahrrinne sind, ist alles gut.
Schwierigkeiten machen uns andere Dinge:

Der Wasserstand

Die mangelnde Erfahrung am Strom (Fahren geht super, Stehen nicht so)

Meine nicht vorhandene Erfahrung mit An- und Ablegemanövern

Fazit: Wenn überhaupt, kann man sich so grundsätzlich mal sorgen. Bringt aber nicht viel, denn im Detail kommt es dann aber eh aus einer anderen Ecke, beispielsweise dieser:

Ausklarieren in Mohacs

Unser Ziel für diesen Tag ist die Barka Bar (1447) und ein kaltes Bier dort. Doch zuerst wird ausklariert. Nach der langen Fahrt erreichen wir Mohacs und das Zollgebäude.
Und als wir so um die Ecke biegen, sehen wir ein Kreuzfahrtschiff, das den gesamten Steg (und mehr) einnimmt. Hm.
Herbert fährt ein bisschen auf und ab, aber wir haben keine Möglichkeit, da irgendwo fest zu machen. Neben den Stegen ist eine ca. 10 Meter hohe Kaimauer mit sehr steilen Stufen, aber sonst nichts. Dort liegt ein Schubschiff und wir fragen, ob wir bei ihnen anlegen dürfen. Mein kleineres Gwirx mit den Leinen wird durch die Profis egalisiert. Ich spüre Herberts Blick im Genick.
Der Matrose meint, dass sie noch eine halbe Stunde da sind und dass sich das locker ausgeht. „It’s a free country.“ Wir haben ja gelernt wie das mit den Sorgen ist und machen uns an den Aufstieg.

Im Zollgebäude bekommt man einen Laufzettel mit dem man von einem Zimmer ins andere geht: Polizei – Gesundheitsamt – Wasserschutzpolizei – Zoll.
Ein sehr strenger Polizist erklärt das Prozedere:
An jeder Station unterschreibt dann einer eine Zeile auf dem Ding und am Ende gehts wieder zurück zu ihm.
Und wie wir so zwischen 1 und 2 sind, taucht der Matrose hechelnd auf, weil sie fahren müssen. Und nimmt Herbert mit.
Ich stehe im Zollgebäude, völlig ahnungslos, was ich da eigentlich mache. Also lächle ich mich durch die Stationen, entschuldige mich der Sicherheit halber mal in jedem Raum, und fülle gefühlte 100 Seiten Formulare aus.
Nur bei der Wasserschutzpolizei klappt das nicht, Da ist nämlich keiner da. Also wieder zurück zu Station 1, wo der strenge Polizist die offizielle Crewliste schon einmal ausstellt. Er schärft mir ein, dass das das wichtigste Dokument überhaupt ist. Dann bekommt er nahezu Schnappatmung, weil die Station noch immer nicht besetzt ist.
Er telefoniert (Donnergrollen!) und zack, die fehlenden Beamten tauchen auf.,
Offensichtlich hat er sie bei irgendwas sehr Wichtigem unterbrochen, denn sie wollen alle Papiere nochmal sehen, unter anderem auch die Bootsführerscheine.
Die sind bei Herbert. Am Boot. Unten.
Mein strenger Freund erklärt ihnen mit verschränkten Armen die Situation, des Nicht-Anlegen-Könnens worauf hin sie beschließen, mich zum Schiff zu begleiten. Jö.
„Kontrolle, Inspektione“ Na bravo.

So komme ich mit zwei jungen, schlecht gelaunten und plötzlich pflichtbewussten Polizisten aus dem Gebäude.
Unten Steg. Dahinter Kreuzfahrtschiff. Dahinter Sabu One. Darauf Herbert, der während der ganzen Aktion hin- und herfuhr. Er kennt jetzt Mohacs sehr gut.
Ich schaue den Beamten fragend an „Final check, right? Everything else is ok, right?“
Er versteht, was ich nicht sage, scheucht mich mit der Hand weg: „Inspetione done“ und drückt mir die Papiere in die Hand.
Halleluja. Ich mache mich an den Abstieg, Herbert kommt zur Kaimauer und ich springe ungefähr einen Meter hinunter aufs Schiff. (Es war viel mehr als ein Meter, mindestens 5, aber Herbert glaubt das nicht)
Ab in die Barka Bar! Irgendwas ist aber merkwürdig. Ich sortiere die Zettel. Und was habe ich nicht? Die Crewliste. Man kann es drehen und wenden wie man will, sie ist nicht da.
Der Motor kocht, wir auch und Herbert und ich denken separat neue Wörter. Schweigend.

Im Gebäude hatte ich auf der Suche nach Leben jemand von Yu-Agent kennengelernt. Den rufe ich jetzt an und beknie ihn, ob er mir den Zettel zum Steg bringen kann.
Der macht sich tatsächlich auf die Suche nach meinen Unterlagen und bringt sie zum Steg. Denn das Kreuzfahrtschiff war in der Zwischenzeit dann auch weg.

Aber jetzt. Barka Bar, wir kommen!
Nach zwei Kilometern taucht sie auf. Oase! Was soll ich sagen, da ist zu. Richtig zu. Wir versuchen, trotzdem anzulegen, aber ich versemmle das mit den Leinen und den Pollern gleich zwei Mal. Das ist aber auch alles sehr eng dort.
In der Zwischenzeit bin ich nur noch so ungefähr 1,2 Meter groß, gehe in gebückter Haltung und spreche nur noch, wenn ich gefragt werde. *gg
Wir geben das Anlegemanöver auf, weil es sowieso zu eng ist. Und Bier gibts auch keins.
Nächster Versuch: Ankern
Keine Chance, der Anker slippt und in der Zwischenzeit kann auch ich den Kai von Mohacs auswendig. Jetzt gehen uns langsam auch die neuen Worte aus.
In Sichtweite das Schubschiff von der Kaimauer. Stehend. Wir nähern uns vorsichtig an und tatsächlich: Sie lassen uns wieder festmachen. (Kein Leinen-Gwirx dieses Mal).
Das 80 Meter lange Schiff steht wie ein Bock und endlich – Motor aus!
Gute Nacht.


Tag 8: Budapest bis km 1556

Stromkilometer: 1654 – 1556 (98), 7 Stunden + 2,5 Stunden

Wie an der Überschrift schon zu erkennen ist, war der Tag ein bisschen kompliziert.
Begonnen hat es ja gut, nämlich mit höherem Wasserstand und einer staubtrockenen Bilge.

Also fuhren wir gegen 11:00 Uhr los. Seit gestern versuchte ich immer wieder, jemanden im Hafen von Kistopostag zu erreichen. Woran auch immer es liegt, aber mehrheitlich wird einfach nicht abgehoben. So auch hier. Da der Hafen von Kistopostag als sehr sicher auch bei Niedrigwasser beschreiben wird, waren wir frohen Mutes.

Alles hat super funktioniert und kurz nach 17:30 Uhr trafen wir dort ein. Ein letztes Mal versuchte ich, den Hafenmeister zu erreichen. Siehe da – er hob tatsächlich ab!
Und dann war es erst einmal aus mit den guten Nachrichten. Ich hatte ihn im Urlaub aufgegabelt und nach meiner Erklärung, dass wir mindestens 1,7 Meter Tiefe benötigen, hat er ihn vermutlich verlängert. Aber er versprach mir, herum zu telefonieren und mich zurück zu rufen. Machte er dann auch, allerdings wollte ich an sich nicht hören, was er mir zu sagen hatte: „Zu wenig Wasser, beim nächsten Anleger Botel Stefanie ebenfalls.“
Er empfahl uns, zu ankern. Und wir sollen auf die Schifffahrtslinie achten. A geh.
Nicht gut.

Wenns nicht so blöd wäre, wäre es ja eigentlich schön.
Auf der Suche nach einem Ankergrund, bei wir endlich auch die Ankerwinch testen können (oida!!), bleiben wir nur ein Mal kurz stecken, aber die Strömung schiebt uns wieder raus. Thanks for small mercies …

Das aktuelle Problem: Jedes Mal, wenn wir die Linie seitlich verlassen, wird es schnell extrem seicht.

Nach mühevoller Suche werden wir endlich fündig. 3 Meter. 3 Meter! Anker runter, gespanntes Warten und wir stehen. Endlich. Und sehen am Ufer ein Schild. Das mit dem durchgestrichenen Anker. Wir stehen aber nur so ungfähr 1/3 des Bootes mit dem Heck in den 200 Meter langen Bereich. Ok, Herbert meint, es ist die Hälfte.
Dieses Mal hat Herbert von mir neue Wörter gelernt.

Kommando retour, alles nochmal von vorn, ein paar Hundert Meter stromaufwärts.
Dieses Mal verhakt sich jedoch die Kette und die Ankerwinch gibt erstmal den Geist auf.
Eine Option, die wir nicht haben. Schließlich gelingt es Herbert, das Ding irgendwie runter zu lassen und wir stehen. Im Strom. Um 21:00 Uhr so ungefähr. Ich kann nur noch Tiefenmesser lesen.

Weil wir noch von Nagymaros wissen, wie wilde Wellen die Kreuzfahrtschiffe machen, beginnt das Warten. I woart auf a Kreuzschiff und es kummt ned, kummt ned …
Tatsächlich ist es in der Zwischenzeit 0:50 Uhr und es kam überhaupt niemand vorbei.

Es ist stockfinster und außer einem gelegentlichen Platschen, von dem ich nicht wissen will, was es ist, passiert hier gar nichts.
Herbert schläft. Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich versuche, wach zu bleiben, damit er morgen fahren kann. Die geplante Strecke war mit 120 km sehr lang. Ok, jetzt sinds nur noch 110 km.
Meine Anweisung ist, auf Geräusche zu achten, was Sinn macht, denn sehen tut man nichts.
Falls uns jemand sucht: Wir stehen auf km 1556. Hoffentlich.

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